| Schwarmstedt |
Die Beschaffung des Schwarmstedter Feuerwehrfahrzeuges war zunächst heftig umstitten
SPD stritt von Anfang an für das LF 16: "Wesentliche Verbesserung des Feuerschutzes", "Nutzungsdauer von 25 Jahren rechtfertigt Mehraufwand", "Feuerwehr braucht vernünftige Arbeitsbedingungen", "Wenn durch dieses Fahrzeug nur ein Menschenleben gerettet wird, hat sich die Mehrausgabe bereits gelohnt", "Feuerwehren sparen durch ihr ehrenamtliches Engagement und Eigenleistungen zahlreiche Steuergelder und stellen mit ihrer Forderung nach einem LF 16 keine überzogenen Ansprüche"
CDU zeigte sich skeptisch: "Totschlagsargument", "Die CDU/FDP-Gruppe ist zu dem Eindruck gekommen, daß die Feuerwehr die Mehrheit des Ausschusses für das LF 16 auf ihre Seite gezogen hat", "negative Falschaussagen", "Mittelverschwendung", "Feuerwehr und Verwaltung habe Ratsmitgliedern nicht so zugearbeitet, daß auch feuerwehrtechnische Laien eine Entscheidung treffen können"
(Zitate aus der Presseberichterstattung:
Walsroder Zeitung vom 15.10.1997, Extra am Sonntag vom 25.05.1997, Schwarmstedter
Rundschau, 24.07.1997 )
In
der Zwischenzeit ist es so gut wie unumstritten. Die Schwarmstedter Feuerwehr
braucht zur ordnungsgemäßen Aufgabenerfüllung ein Fahrzeug
des Typs LF 16. Die notwendige Ersatzbeschaffung drohte jedoch zeitweilig
zu scheitern, da es erheblichen Widerstand von Teilen des Samtgemeinderates
gab. Insbesondere aus den Reihen der CDU/FPD-Gruppe waren abwartende bis
ablehnende Stimmen zu hören, die bis zu dem Vorwurf gingen, die Feuerwehr
habe nicht ausreichend informiert.
Die Vorgeschichte
Das über 25 Jahre alte Feuerwehrfahrzeug
in Schwarmstedt muß ersetzt werden. Hierüber herrschte Einigkeit,
denn das noch in Betrieb befindliche Fahrzeug des Typs LF 8 war stark abgängig
und dies gefährdete die Einsatzbereitschaft. Was vor einem Vieteljahrhundert
gerade noch ausreichend war, konnte den Anforderungen heutiger Zeit jedoch
nicht mehr standhalten. Die Samtgemeinde Schwarmstedt war seit ihrer Gründung
stark gewachsen, immer höhere Häuser, Gewerbeansiedlungen und
das Einsatzgebiet auf der Autobahn erforderte ein Fahrzeug, das diesen
gestiegenen Anforderungen gerecht wird. Aus diesem Grund wiesen Verteter
der Feuerwehr immer wieder auf die Notwendigkeit einer Ersatzbeschaffung
durch ein größeres und vielseitigeres Fahrzeug des Typs LF 16
hin.
Im Vorfeld zu den Haushaltsberatungen im Frühjahr 1997 ließen sich die SPD im Rahmen ihrer Fraktionssitzung und die CDU bei einem "Klöönschnack" von Vetretern der Samtgemeindefeuerwehr informieren. Damals gab es sogar von beiden Seiten öffentliches Lob für die Information durch die Feuerwehrvertreter. Der dann im März 1997 einmütig verabschiedete Haushaltsplan der Samtgemeinde ließ dann erstmals eine Option für das LF 16 zu.
Vom Tag der Entscheidung zum Hinausschieben
Ende Mai sollte dann der "Tag der Entscheidung"
werden: Der Bauausschuß der Samtgemeinde Schwarmstedt trat zusammen,
um über die Ersatzbeschaffung des Feuerwehrfahrzeuges zu beraten.
Geladen war auch die Firma Ziegler, die die Fahrzeugmodelle fachkundig
vorstellte. Vehement und fundiert erläuterten die Vetreter der Samtgemeindefeuerwehr
ihren Standpunkt, daß die Ersatzbeschaffung ein LF 16 sein muß.
Ein SPD-Antrag, die Beschaffung des LF 16 zu empfehlen fand überraschend
keine Mehrheit. Stattdessen setzte sich die CDU durch, die statt einer
Entscheidung das Thema vertagte und heftige Skepzis äußerte.
Das so dringend benötigte Ersatzfahrzeug wurde hierdurch für
über ein halbes Jahr "auf Eis gelegt", während das sich seit
25 Jahren noch immer im Einsatz befindliche LF 8 immer mehr Auflösungserscheinungen
zeigte. Zudem mußte zur Umsetzung des CDU-Antrages ein Beladeplan
in vielstündiger ehrenamtlicher Arbeit von Feuerwehrleuten erstellt
werden und dies, obwohl sich schnell und offenkundig zeigte, daß
ein LF 8 nicht ausreichend war.
Auseinandersetzung in der Presse und
selbsternannte Experten
Nicht nur in der Ausschußsitzung,
auch später in der Zeitung sind die unversöhnlich scheinenden
Gegensätze in der Frage des Feuerwehrfahrzeuges zutage getreten. Die
CDU warf der SPD vor, daß sie bereits vor der offiziellen Präsentation
der Fahrzeuge eine Entscheidung getroffen hatte. Sie übersah dabei,
daß es zu einer ordnungsgemäßen Ratsarbeit gehört,
wenn sich Fraktionen selber zu einem Thema Informationen einholen und nicht
darauf warten, bis ihnen alles gebracht wird. Die SPD hatte sich bereits
im März beim Hersteller Iveco Magirus ausführlich informiert
und war daher gut vorbereitet in die Auseinandersetzung gegangen.
Die CDU wollte nun ihr Verhalten im Ausschuß rechtfertigen und holte
telefonische Auskünfte ein, die belegen sollten, daß in der
Ausschußsitzung vorgebrachte Argumente, in der Sitzung informeirten
Feuerwehrvertreter und die Firma Ziegler, falsch waren. In einer Presseaussendung
berichtete die CDU, daß man drei von vier Argumente für das
LF 16 relativieren konnte.
Im Juli war eigentlich alles Klar
Bereits auf der öffentlichen Samtgemeinderatssitzung
am 14. Juli in Suderbruch konnte Samtgemeindedirektor Hans-Wilhelm Frische
bestätigen, daß erste Auswertungen des Beladeplans ergeben haben,
daß Auswertung der selbst das LF 16 eher zu klein, als zu groß
ist. Die wesentlichen Informationen lagen damit erneut auf dem Tisch und
bestätigten alle Aussagen, die zuvor von Feuerwehrseite getroffen
wurden.
Warten statt Taten
Trotzdem sollte die Zeit des Wartens noch
weitergehen. Erst am 13. Oktober trat der Bauausschuß zu seiner nächsten
Sitzung zusammen. Wesentlich neue Fakten gab es nicht, dafür neue
Anschuldigungen: "Die CDU/FDP-Gruppe ist zu dem Eindruck gekommen, daß
die Feuerwehr die Mehrheit des Ausschusses für das LF 16 auf ihre
Seite gezogen hat." Daher sei keine sachliche Diskussion mehr möglich
führte der CDU-Vertreter aus (Walsroder Zeitung vom 15.10.97). Zudem
wurde von dem CDU/FDP-Sprecher angebliche Falschaussagen zum LF 8 und LF
16 kritisiert und von "Mittelverschwendung" gesprochen. Außerdem
sei nach Ansicht der CDU/FDP-Gruppe den Ratsmitgliedern von der Feuerwehr
und der Gemeinde nicht so zugearbeitet worden, daß es auch Laien
verstehen können (zuvor hatte es aber im Artikel zum CDU-Klöönschnack
noch ausdrücklich und namentlich Lob für die Information durch
einen Angehörigen der Feuerwehr gegeben).
Mit dem Stimmen von SPD, Grünen und UWG wurde schließlich das größere und notwendige Löschgruppenfahrzeug LF 16 empfohlen.
Entscheidung Ende November
Ende November konnte dann endlich die
Beschaffung des LF 16 beschlossen werden. Der urprüngliche Zeitplan
war bis dahin längst über den Haufen geworfen. Die Feuerwehr
war noch ein Jahr gezwungen mit dem alten Fahrzeug zu improvisieren. Die
dann durchgeführte Ausschreibung hat die Befürworter des
LF 16 weiter bestätigt, die von Anfang an von einem niedrigeren Beschaffungspreis
ausgegangen waren und so konnte das Fahrzeug dann sogar wesentlich günstiger
beschafft werden, als zunächst von Seiten der Verwaltung angenommen
wurde. Dieses Ergebnis hätte sich aber auch bereits erzielen lassen
können, wenn die Entscheidung wie vorgesehen bereits im Mai getroffen
worden wäre.
" Extra ", 5/97
WZ, 28.5.97
Schwarmstedter
Rundschau, 05.06.97
Schwarmstedter
Rundschau, 17.7.97
Schwarmstedter
Rundschau, 24.07.1997
WZ, 15.10.1997